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Wenn die Liebe krank macht

In jeder Beziehung gibt es Phasen, in denen es - vorsichtig formuliert - nicht ganz so gut läuft. Man fühlt sich lieblos oder unfair behandelt, es wird gestichelt, genörgelt, gestritten und man kann es einander einfach nicht mehr recht machen. Die meisten Paare gehen hin und wieder durch solche Phasen und das ist völlig normal. Solange die Partner wieder zueinander finden und der Umgang grundsätzlich wohlwollend und unterstützend ist,  darf man durchaus gelassen bleiben. Der renommierte amerikanische Paar- und Traumatherapeut, David Schnarch, bezeichnete dieses Phänomen etwas augenzwinkernd als den "normalen ehelichen Sadismus".

 

Woran aber lässt sich erkennen, dass ich mich in einer "toxischen" Beziehung befinde, dir mir schaden kann?

 

Der Begriff "Toxische Beziehung" an sich ist eigentlich irreführend, weil die Beziehung selbst nicht toxisch ist. Es sind vielmehr bestimmte Verhaltensmuster des jeweiligen Partners, die dazu führen, dass der Andere dauerhaft verunsichert wird und immer mehr unter dieser Belastung leidet. Obwohl es ihm oder ihr zunehmend schlechter geht, gelingt es häuifg nicht, sich gegen das destruktive Verhalten des Partners effektiv zur Wehr zu setzen oder die Beziehung zu beenden.

 

5 typische Alarmzeichen, die sie nicht ingorieren sollten

Eisiges Schweigen

 

Manchmal reicht schon ein kleiner Auslöser, wie z.B. eine kurze Meinungsverschiedenheit oder ein tatsächliches bzw. vermeindliches Fehlverhalten.  Der Partner zieht sich zurück und schweigt - manchmal tagelang. Er oder sie ist emotional nicht mehr erreichbar und wirkt völlig uninteressiert und abweisend.

 

Doppelte Botschaften (double bind messages)

 

Hier verbindet der Partner eine eigentlich positive Aussage "ganz nebenbei" z.B. mit einem unterschweiligem Vorwurf oder einem kleinen Seitenhieb. "Ich würde sehr gerne mit dir in Urlaub fahren, aber du verstehst doch bestimmt, dass der Ausflug mit Kollegen vorgeht!"

 

Mit Anerkennung und Aufmerksamkeiten überschütten (Love-Bombing)

 

Hier wird der Partner - meist nur zu Beginn der Beziehung - mit Geschenken und Komplimenten überhäuft und auf einen Sockel gehoben. Er oder sie ist "das Beste, war einem je passiert ist" . Dieses sehr verführerische Verhalten lässt allerdings schnell nach und weicht häufig einer gewissen Geringschätzung oder Nachlässigkeit.

 

Wutausbrüche und Beschimpfungen (Mikrogewalt)

 

Ähnlich, wie bei dem Punkt "Eisiges Schweigen" reicht auch hier oftmals ein geringer Anlass und es kommt zu heftigen Wutausbrüchen oder Beschimpfungen des Partners. Dieses bedrohliche Verhalten dauert meist nur einige wenige Minuten und der aggressive Partner achtet sehr darauf, dass es von Dritten möglichst unbemerkt bleibt.

 

Verwirren und einnebeln (Gaslightning)

 

Hier wird der Partner gezielt so lange verunsichert und hinterfragt, bis er seiner eigenen Wahrnehmung oder Erinnerung nicht mehr traut, ganz im Stil von "Das hab' ich NIE gesagt!"

 

 

Wichtig!

 

Urteilen Sie nicht vorschnell! So manches, schwer nachzuvollziehendes Verhalten ist eben nicht toxisch oder pathologisch, sondern ein Zeichen dafür, dass der Partner z.B. (noch) Schwierigkeiten hat, bestimmte Situationen angemessen zu bewältigen oder sich in der Beziehung ein gewisser Frust oder Kommunikationsblockaden eingeschlichen haben. Also Themen, die häufig lösbar sind. Ein klärendes Gespräch kann hier der erste Schritt sein.